Das Social Media Team der IBsolution verfolgt auf den verschiedenen Plattformen und Kanälen nicht nur die Schlagzeilen unserer Branche, sondern beobachtet z. B. auch, was unsere Kunden beschäftigt. So wurde ich auf die Blogparade #FrauenundTechnik  aufmerksam, die unser Kunde Mann+Hummel initiiert hat. Weibliche Consultants sind bei IBsolution leider auch Mangelware und stellen aktuell gerade mal ca 8% unserer Beratermannschaft. Warum das so ist, darüber wundern sich auch Silke Jung, Consultant, und Melanie Ott, Werkstudentin, mit denen ich das Thema in einem kurzen Interview diskutierte.

Was war entscheidend für Eure Berufswahl?

Silke: Auf dem Wirtschaftsgymnasium habe ich Datenverarbeitung belegt. Das Fach hat mir von Anfang an sehr gut gefallen, insbesondere das Programmieren. Deswegen habe ich mich als es soweit war für Wirtschaftsinformatik als Studienfach entschieden.

Melanie: Zu meinem Studienfach Wirtschaftsinformatik bin ich durch meinen Bruder gekommen. Auf das Thema Beratung, insbesondere SAP-Beratung, wurde ich durch die Hochschule aufmerksam. Die haben das wirklich sehr interessant verkauft. Besonders gereizt hat mich die ständige Weiterentwicklung in der Branche, was den Beruf des Beraters in meinen Augen so vielseitig macht.

Mehr als ein Drittel der Schülerinnen, die sich gegen eine solche Ausbildung entschieden, geben als Grund die “Entmutigung durch ihr soziales Umfeld” an (Quelle: heise.de) Wie reagierten die Menschen in Euerm persönlichen Umfeld auf Eure Berufswahl?

Melanie: Ich hatte da Gott sei dank überhaupt keine Probleme.

Silke: Ich würde sagen neutral bis positiv. Meine Eltern haben mich immer bestärkt, dass zu tun, was mir Spaß macht. Mit meinem Vater habe ich Computer auseinander geschraubt, das sagt wohl alles.

Habt Ihr von speziellen Mentoring-Programmen wie den Geekettes oder Initiativen wie „Girls Day“ profitiert? Was haltet Ihr von solchen Initiativen?

Melanie: An meiner FH gab es entsprechende Angebote. Die haben mich aber nicht sonderlich interessiert. Ich sehe das eher kritisch. Ich meine, selbst ist die Frau. Ich habe mich immer gefragt, was mir das nützen könnte. Meine Kommilitoninnen, die an solchen Programmen teilnahmen, haben mE keine ersichtlichen Vorteile dadurch gewonnen.

Stichwort Gender Gap in Tech-Berufen: Beurteilt Ihr die Berufs- und Karrierechancen als gleichwertig? Wie wurdet Ihr auf dem Arbeitsmarkt empfangen?

Silke: Ich wurde immer sehr offen empfangen und habe bislang nur Gleichwertigkeit erfahren. Meiner Erfahrung nach muss die Leistung stimmen, dann ist das Geschlecht egal.

Melanie: Ich habe ebenfalls nur positive Erfahrung gemacht. Bevor ich zu IBsolution kam, war ich in der Softwareentwicklung. Wir waren 3 Frauen in einem Team von 20 Leuten und absolut gleichberechtigt.

Haben Frauen einen Nachteil/ Vorteil bei der Arbeit in einem „Männerberuf“? Haben sie stärker mit Klischees zu kämpfen?

Silke: Das ist sehr subtil. Offene Skepsis mir als weiblichem Consultant gegenüber ist selten. Ich spüre dennoch gelegentlich, das mir im ersten Moment weniger Vertrauen entgegengebracht wird, als meinen männlichen Team-Kollegen, dass ich mich gefühlt mehr beweisen muss. Sobald auf Kundenseite ebenfalls eine Frau im Team ist, erfahre ich eine deutlich offenere Mentalität.

Melanie: Ich habe bislang nicht den Eindruck, dass Frauen weniger zugetraut wird. Ich habe mich während des Studiums immer gleichberechtigt gefühlt und auch den wenigen Projekten, an denen ich bisher beteiligt war. Allerdings habe ich hier zufälligerweise auch immer mit Frauen zusammengearbeitet. Ansonsten sehe ich das Thema sportlich: wenn Du unterschätzt wirst, kannst Du Dein Gegenüber umso mehr überraschen.

Passt Ihr Euch in irgendeiner Weise, z. B. hinsichtlich Kleidung, Make-up oder Sprache an?

Melanie: Nein, nicht bewusst.

Silke: Ich kleide und benehme mich so, wie eh und je. Ich bin eher ein sportlicher Typ und kleide mich nicht betont feminin, versuche aber auch nicht meine Weiblichkeit zu kaschieren. Grundsätzlich orientiere ich mich eher am Kleidungslevel des Kunden, um nicht over- oder underdressed zu erscheinen. Aber in manchen Unternehmen scheint das wohl immer noch ein Thema zu sein. Zumindest habe ich das in einem Projekt mal erlebt. Wir waren auf dem Weg zum Mittagessen und mussten dabei durch die Produktionshalle. Plötzlich machte mich unser Kunde darauf aufmerksam, dass mir alle hinterherschauten – ich habe an diesem Tag ein Kleid getragen. Ich fühlte mich ein wenig wie das 8. Weltwunder. Zumal ich selbst das gar nicht wahrgenommen hätte, aber für alle anderen war es etwas Besonderes bzw. Ungewohntes.

Wie beurteilt Ihr die Selbstverpflichtung der Unternehmen zur Frauenförderung?

Silke: Ich denke, Leistung zählt. Wer gut ist, schafft es auch ohne Förderung.

Melanie: Ich sehe das auch eher problematisch, insbesondere das Thema Frauenquote. Ich befürchte, dass uU Frauen mit schlechterer Qualifikation akzeptiert werden, nur um eine Quote zu erfüllen. Das bringt uns auch nicht weiter.

Wie beurteilt Ihr die Vereinbarkeit Familie und Beruf?

Silke: Ausgehend von meiner derzeitigen Position wäre das schwierig. Aber das Thema Familie ist für mich auch noch nicht aktuell. Ich möchte gern noch ein paar Jahre als Beraterin weiterarbeiten. Später könnte ich mir vorstellen in Teilzeit Beratung zu machen und eher im nahen regionalen Umfeld. Eine weitere Alternative wäre es natürlich auf Kundenseite zu wechseln. In jedem Fall möchte ich das Technische beibehalten.

Melanie: Ich gebe zu, darüber habe ich mir noch nicht so viele Gedanken gemacht. Als Beraterin zu arbeiten, ist momentan sehr attraktiv für mich. Aufgrund der großen Bandbreite an Projekten verspreche ich mir eine hohe Lernkurve in den nächsten Jahren. Das ist etwas, das mir eine Konzernstelle, meiner Meinung nach, in der Intensität nicht bieten kann. Wenn ich mich tatsächlich für einen Seitenwechsel entscheiden sollte, sehe ich mich mit meinem Thema Predictive Analytics in der Produktion. Ich bin aber nicht sicher, ob mir das auf Dauer nicht zu langweilig würde.

Ihr äußert Euch insgesamt sehr positiv zum Thema und seid sehr optimistisch. Trotzdem sprechen die Zahlen eine andere Sprache. Frauen stellen in technischen Berufen gerade mal 10% bis 20% der Beschäftigten (Quelle: faz.de). Wie hoch war der Frauenanteil während des Studiums in Euren Jahrgängen?

Silke: Bei uns lag das Verhältnis Männer zu Frauen bei 80 – 20 allerhöchstens 70 – 30.

Melanie: Ich empfand es als nahezu ausgeglichen, also 50 – 50, vielleicht 60 – 40.

Vorsichtig optimistisch betrachtet also doch ein Indiz für einen langsam stattfindenden Wandel? Und doch scheinen all diese Frauen zwischen Studienabschluss und Berufsstart im Nirvana zu verschwinden. Unsere Personalreferentin Manuela Eggensperger berichtete, wir bekommen kaum weibliche Bewerbungen. Woran liegt das Eurer Meinung nach?

Melanie: Also in meinem Jahrgang sind tatsächlich nur wenige der IT treu geblieben und haben sich für die betriebswirtschaftliche Richtung entschieden. Sie bewerben sich dann z. B. auf Positionen im Controlling oder Buchhaltung.

Silke: Die Gründe sind meiner Meinung nach sehr vielfältig. Speziell für die Beratung kann ich mir vorstellen, das viele Frauen sehr früh beschließen, sich von vornherein auf Jobs zu bewerben, die sich später leicht mit Familie vereinbaren lassen. Das klassische Beratergeschäft gehört da nicht gerade zu den Top Ten. Und wie Melanie schon sagte, gehen die persönlichen Interessen evtl. mehr in die betriebswirtschaftliche Richtung und nicht Richtung IT. Auch setzen viele SAP mit Technik gleich. Dabei ist gerade bei uns, im BI-Bereich, auch viel betriebswirtschaftliches Know-how erforderlich, wenn es darum geht, Unternehmensprozesse sinnvoll zu gestalten und abzubilden.

Wenn aber abweichende persönlichen Interessen der Grund sind, warum studieren sie dann nicht gleich z. B. eine Disziplin der klassischen Wirtschaftswissenschaften? Warum der Umweg über die IT, wenn die doch gar nicht so interessiert?

Silke: Stimmt eigentlich, darüber habe ich so noch gar nicht nachgedacht. Vermutlich lassen sich doch viele abschrecken von landläufigen Meinungen, wo weibliche Interessen liegen und wo nicht, oder was Frauen gut können und was nicht. Oder sie haben unbewusst Angst, nicht mithalten zu können in der Männerwelt. Ich kann mir auch vorstellen, dass nicht jede so gute Erfahrungen gemacht hat, wie wir. Vielleicht trat während des Studiums aufgrund negativer Erfahrungen eine Art Ernüchterung ein und sie suchen sich dann doch lieber eine Profession, in der der Frauenanteil höher ist.

Melanie: Und all diese Presseartikel werden dann zur self-fullfilling prophecy – nämlich je mehr darüber geschrieben wird, wie unattraktiv diese Berufswelt für Frauen ist, um so mehr glauben das tatsächlich und wenden sich ab.

Habt Ihr weibliche Vorbilder? 

Silke: Petra King. Sie ist eine freiberuflich arbeitende Beraterin, die ich in einem meiner Projekte kennengelernt habe. Sie hat drei Kinder und arbeitete in Teilzeit, solange die noch kleiner waren. Ich finde es großartig, wie sie Familie und Beruf unter einen Hut bekommen hat. Ihr Modell mag einzigartig sein und sich vielleicht auch nicht für jeden und dieser Art und Weise wiederholen lassen, aber es hat mir gezeigt, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch in meiner Branche gelingen kann. Abgesehen davon habe ich keine speziell weiblichen Vorbilder. Wegen Ihres Know-hows schätze ich zwei ehemalige Kollegen sehr, Sebastian Zeitler und Christoph Diehl.

Melanie: Silke ist tatsächlich eines meiner weiblichen Vorbilder. Ich sehe, wie sehr sie im Unternehmen geschätzt wird. Sie punktet mit ihrer ruhigen Art und ihrem Wissen, das finde ich cool. Ansonsten imponiert mir noch Yvonne Hofstetter.

Silke, möchtest Du Melanie etwas mit auf den Weg geben?

Silke: Ich wünsche ihr, dass sie ihren Weg geht, ohne sich beirren zu lassen, egal was andere sagen. Ich hoffe, dass sie weiter bei uns bleibt. Sie ist meiner Meinung nach sehr talentiert und sollte unbedingt im Bereich Predicitve Analytics bleiben, hier ihre Chancen nutzen und neue Ideen einbringen.

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Vielen Dank für Eure Zeit. Ich freue mich, über Eure positive Einstellung und wünsche Euch, dass sie Euch erhalten bleibt. Ich hoffe, es lesen ganz viele Mädchen und junge Frauen Euer Interview und nehmen es als Anlass ihrer ursprünglichen Neigung treu zu bleiben und sich nicht für ihr Hobby Programmieren zu schämen.

Das Interview führte Anne Sutanto, Marketingreferentin und Teil des Social Media Teams bei IBsolution.

Bild: Fotolia

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